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Goerges, Julia

19.01.2020 - 18:44 Uhr
sport1.de

Nach zwei starken Jahren erlebte Julia Görges 2019 das laut eigener Aussage "schwierigste Jahr ihrer Karriere". Nachdem sie sich 2018 bis auf Rang neun der Weltrangliste vorgekämpft hatte, lief 2019 nur wenig rund.Die Trennung von ihrem langjährigen Erfolgscoach Michael Geserer nach den French Open und einige Monate später vom gesamten Team erschwerten das Ganze zusätzlich. So stand am Jahreende nur Rang 28 in der Weltrangliste.Im neuen Jahr soll es für die 31-Jährige nun wieder aufwärts gehen. Die erste große Chance dafür bietet sich bei den Australian Open (täglich im SPORT1-LIVETICKER). Aufgrund der Buschbrände musste Görges ihre Vorbereitung auf den ersten Grand Slam des Jahres umplanen. So blieb sie nach ihrem Aus in Adelaide vor Ort, bevor sie am Samstag erstmals auf der Anlage in Melbourne trainierte.Vor ihrem Start bei den Australian Open spricht Görges im SPORT1-Interview unter anderem über ihren Neuanfang, ihre neue prominente Doppel-Partnerin und Regeländerungen im Tennis.SPORT1: Australien litt zuletzt unter massiven Buschbränden. Was löst das in Ihnen aus?Julia Görges: Es ist herzzerreißend, was in Australien bei den Buschfeuern passiert. Ein großer Sturm hat in Melbourne geholfen, die Luft zu säubern und hoffentlich können die Australian Open 2020 stattfinden, ohne dass ein Spieler, ein Mitarbeiter, ein Ballkind oder ein Fan in Gefahr gerät. Aber natürlich sind die Buschbrände sehr viel wichtiger als dieses Turnier und wir dürfen nicht vergessen, dass die Leben vieler Menschen dadurch zerstört wurden, Tiere sind gestorben und die Natur liegt in Schutt und Asche. Wir müssen weiterhin alles dafür tun, um hier zu helfen.Görges über ihren neuen Coach GerlachSPORT1: Sie haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Woran lag das und was macht Sie für 2020 optimistisch, wieder an ihre starke Saison 2018 anknüpfen zu können?Görges: Ich habe aus diesem Jahr viel gelernt - nicht nur sportlich, sondern auch als Mensch. Es geht nicht immer nur um Resultate. Man muss gewisse Situationen meistern, um stärker herauszukommen. Dieses Jahr hatte ich einige dieser Situationen, in denen ich körperliche Probleme, Teamwechsel und ein paar Enttäuschungen erlebt habe. Aber da bin ich gut durchgekommen. Ich bin sehr zufrieden mit dem, wo ich gerade bin und was ich für ein Team habe. Ich freue mich auf die neue Saison.SPORT1: Sie haben sich Ex-Fed-Cup-Chef Jens Gerlach als Trainer geholt. Was soll er Ihrem Spiel bringen?Görges: Ich bin eine recht komplette Spielerin, es gibt schlagtechnisch nicht viel Erweiterungspotenzial. Aber mein Ziel ist, in großen Turnieren weit zu kommen. Jens hat mit Anastasia Myskina 2004 einen Grand Slam gewonnen. Er weiß, was es heißt, viele Matches bei großen Turnieren zu gewinnen. Ich glaube, dass ich da sehr viel Potenzial und Luft nach oben habe, um mich da zu verbessern und konstant meine Leistung zu bringen. Daran arbeiten wir.DAZN gratis testen und Tennis-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGESPORT1: Wie kam es überhaupt zu dem Entschluss, mit 31 Jahren noch einmal einen Neuanfang zu wagen und Ihr ganzes Team auszutauschen? Görges: Es gab ein paar Situationen, die nicht glücklich gelaufen sind. Daher habe ich mich entschieden, noch einmal neue Wege zu gehen. Ich bin sehr zufrieden, wie das mit Jens läuft. Die Wochen in Linz und Luxemburg sind viel wert gewesen, um zu sehen, wie wir zwei miteinander auskommen. Es waren viele Faktoren dabei, die mir sehr zugesagt haben - und ihm hat es auch gefallen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Weg, den wir eingeschlagen haben.Spiel-Optimierung vorrangiges ZielSPORT1: Was wollen Sie konkret verbessern, um den letzten Schritt bei Grand Slams gehen zu können? Görges: Natürlich gibt es kleinere Dinge, die man justieren kann. Ein wenig kürzer ausholen oder einen Schritt mehr in den Platz reinzugehen. Das sind Feinjustierungen. Wir arbeiten auch daran, die Spielstrategie zu entwickeln und die Situation zu erkennen. Wann kann ich aggressiv sein, wann ans Netz vorgehen und wann warte ich besser noch. Zudem arbeiten wir explizit mit meinem Fitnesstrainer zusammen.SPORT1: Mit welchen Zielen starten Sie in die Saison? Noch größerer Fokus auf Grand Slams oder bleiben auch kleinere Turniere und die Weltranglistenpositon ein Hauptaugenmerk?Görges: Sowohl als auch. Natürlich sind die Grand Slams die wichtigsten Turniere im Jahr. Aber wenn man da gut spielt, steigt auch der Weltranglistenplatz. Erst einmal geht es mir darum, dass ich so spiele, wie ich spielen möchte und ein gutes Gefühl auf dem Platz habe. Das ist die Basis, um erfolgreich spielen zu können.SPORT1: Im Fokus steht sicher Ihre Einzelkarriere, aber mit Ashleigh Barty als Partnerin sind Sie jetzt im Doppel auch weit vorne anzusiedeln. Wie kam es dazu und was sind Ihre Ziele im Doppel? Görges: Ash und ich kennen uns, seit sie 15 ist. Wir hatten schon früher vor zu spielen, aber es hat sich nicht ergeben. Jetzt haben wir gesagt: 'Okay, wir würden gerne die großen Turniere zusammenspielen.' Für uns beide ist es wichtig, dass man eine gute Chemie hat. Wenn wir spielerisch unser Potenzial ausschöpfen und auf den Platz bringen, sind wir ein ziemlich gutes Paket. Aber wir nehmen das ganz easy. Über den Spaß-Faktor und über die Leichtigkeit kommen dann die Resultate.Petkovic als Journalistin aktivSPORT1: Ihre Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic beginnt parallel, sich ein zweites Standbein als Journalistin aufzubauen - haben Sie ihre Auftritte gesehen und haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?Görges: Ihren zweiten Auftritt habe ich zum Teil gesehen. Ich fand, sie hat es sehr gut gemacht. Sie bringt frischen Wind rein. Ich möchte noch einige Jahre spielen und werde hoffentlich den richtigen Moment finden, wenn ich das Kapitel Tennis für mich schließen werde. Bis dahin ist der Fokus aber komplett darauf. Wenn ich mir zu viele Gedanken über die Zukunft machen würde, kann ich mich nicht mehr zu hundert Prozent auf meinen Job konzentrieren.SPORT1: Viele dachten, dass Ihre Goldene Generation einmal den Fed Cup gewinnen würde. Das hat bisher nicht funktioniert. Ist der Fed Cup noch ein Ziel für Sie und wie ist Ihre Meinung zum neuen Format?Görges: Für mich ist das neue Format nicht interessant. Interessant waren die Heim- und Auswärtsspiele mit der speziellen Fed-Cup-Atmosphäre. Wenn ich mich an unser Spiel 2012 gegen Tschechien in Stuttgart erinnere, als ich gegen Petra Kvitova 8:10 im dritten Satz verloren habe und 5.000 Leute die La-Ola-Welle machten - das sind Gänsehaut-Momente, die mir immer in Erinnerung bleiben. Wenn man spielt, möchte man aber natürlich auch gewinnen. Nur vor 30 Leuten in Budapest zu spielen, ist nicht die Atmosphäre, die den Fed Cup geprägt hat.SPORT1: In den Top 100 finden sich aktuell fünf deutsche Spielerinnen wieder - von diesen sind Sie die Jüngste mit 31 Jahren. Sorgen Sie sich etwas um die Zukunft des deutschen Damentennis?Görges: Natürlich - aber das stellt auch wieder heraus, was Tennis-Deutschland für eine Goldenen Generation mit uns hatte. Steffi und Boris haben Tennis hierzulande so geprägt, dass riesige Ansprüche an die Generation danach gestellt wurden. Auch wir haben jetzt die Messlatte hoch gelegt. Aber es werden irgendwann auch wieder hervorragende deutsche Tennisspieler kommen. Nur man muss ihnen Zeit geben und die Erwartungen ein wenig runterschrauben.Görges: "Shotclock ist super"SPORT1: Wen haben Sie bei den Damen für 2020 ganz oben auf dem Zettel? Kann jemand wie Bianca Andreescu oder Naomi Osaka die Tour dominieren oder wird es weiter hin und her gehen?Görges: Ich glaube, es wird sehr ausgeglichen. In den vergangenen drei bis vier Jahren hieß es danach immer: Überraschungssiegerin. Ich finde nicht, dass es Überraschungssiegerinnen sind, weil jede die gleichen Chancen hat, eines der Turniere zu gewinnen. Ich finde es interessant, wie sich die Damen-Tennis-Tour entwickelt hat. Jede Spielerin von eins bis 100 muss jederzeit voll da sein, um sich die bestmöglichen Chancen zu geben, das Match zu gewinnen. Das war vor zehn Jahren anders.SPORT1: In letzter Zeit wird viel über Regeländerungen diskutiert - meist, um das Spiel attraktiver und schneller zu machen. Was halten Sie von all dem?Görges: Die Shotclock ist super. Ein Spieler kann sich somit selbst die Zeit einteilen, wenn er serviert. Man ist dann nicht überrascht, wenn man eine Time Violation kriegt. Auch beim Warm-Up wird die Zeit beschränkt. Ich finde das Zeitmanagement gut, weil sich manche doch viel Zeit lassen. Gravierende Änderungen am Spiel aber bitte nicht. Also auch nicht Best-of-five bei den Herren abschaffen. Fitness ist ein großer Aspekt im Sport und das sollte er auch bleiben.

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