Auf dem Weg zum erträumten WM-Gold setzt EM-Held Andreas Wolff auch auf die Mental-Tipps von Ex-Box-Champion Wladimir Klitschko.

mehr auf handelsblatt.com
Bet IT Best

Mehr Nachrichten zu
Wladimir Klitschko

Er wog rund 800 Gramm, als er auf die Welt kam, drei Monate zu früh.Er wog rund 180 Kilo, als er in eine schwere Depression verfiel, die unmittelbar nach dem größten Sieg seiner Karriere über ihn kam.Er raste mit einem Ferrari auf eine Brücke zu, 300 km/h auf dem Tacho, Selbstmordgedanken im Kopf. Er fand wieder zu sich auf einer Halloween-Party, verkleidet als Gevatter Tod - und verblüffte die Welt am Ende ein zweites Mal.Ein Schriftsteller bekäme diesen Romanentwurf vermutlich von seinem Verlag zurückgeschickt: hoffnungslos überfrachtet, bitte weniger klischeebeladen. Tyson Fury - dem Boxer, der vor drei Jahren Wladimir Klitschko als Weltmeister entthront und nun Deontay Wilder ein spektakuläres Unentschieden abrang - ist es wirklich passiert. Sagt er. Und selbst wenn die eine oder andere dramaturgische Zuspitzung dabei sein mag: Bestseller-tauglich ist die Geschichte des "Gypsy King" aus Manchester jetzt in jedem Fall.Tyson Fury leidet an bipolarer Störung"Geld, Ruhm, Ehre, die Titel, Frau, Kinder, Familie - ich hatte alles", schilderte Fury vor dem Wilder-Kampf in einem Videopodcast mit dem Komiker und UFC-Kommentator Joe Rogan: "Aber ich hatte das Gefühl, nichts zu haben. Ich habe ein hohles, klaffendes Loch gespürt, gefüllt mit Düsternis und Verderben."Furys oft clowneskes Verhalten verstellt bei vielen den Blick dafür, dass er mit einem sehr ernsten Problem beladen ist: Der 30-Jährige leidet an einer bipolaren Störung, er ist manisch-depressiv, ungehemmte, berauschende Hochgefühle wechseln sich ab mit Phasen extremer Niedergeschlagenheit.Nach eigenen Angaben ahnte Fury schon unmittelbar nach dem Sieg über Klitschko, dass auf dieses Hoch ein umso größeres Tief folgen würde. Abwenden konnte der 2,06-Meter-Mann es nicht, und er bekämpfte es mit den falschen Mitteln, mit Alkohol und Drogen.Nach seinem Beinahe-Selbstmordversuch mit dem Ferrari suchte Fury eine Psychologin auf, bekam akute Suizidgefahr attestiert. Wachgerüttelt war Fury da immer noch nicht: Er brach mehrere Versuche ab, sich aus der Sucht herauszukämpfen und mit Boxtraining wieder in Form zu bringen.ANZEIGE:  DAZN zeigt Tyson Fury gegen Deontay Wilder jederzeit im Re-LIVE. Jetzt kostenlosen Testmonat sichern.Das neue Leben begann im Skelett-KostümAn die Öffentlichkeit drang Furys Kampf gegen die inneren Dämonen nur zum Teil, aber sie bekam genug mit, um ihn abzuschreiben.Der Kontrollverlust über seinen Körper war offensichtlich, hinzu kam wiederholter Doping-Ärger. Neun Monate vor dem Kampf gegen Klitschko soll das Steroid Nandrolon in Furys Körper gefunden worden sein, er wurde letztlich rückwirkend für zwei Jahre gesperrt, 2016 brachte ein weiterer Positiv-Test auf Kokain das geplante Rückmatch zum Platzen. Letztlich gab Fury alle WM-Titel ab, ohne sie je verteidigt zu haben. Ansonsten blieben aus der kampffreien Zeit vor allem krude Interviews in Erinnerung.Dass Fury noch einmal zurückkommen würde, glaubten die wenigsten. Auch der engste Familienkreis glaubte Fury nicht mehr, als er im Herbst 2017 ultimativ verkündete, sich jetzt aber wirklich wieder in die Trainingsarbeit zu stürzen.Furys Erweckungserlebnis war nach eigenen Angaben eine Halloween-Fete, die er mittendrin verlassen hatte, als er merkte, dass er der Älteste der Feiergesellschaft war und sich die Sinnfrage stellte. Zu Hause habe er dann sein Skelettkostüm abgelegt, sei auf die Knie gegangen und zehn Minuten lang gebetet. Anschließend rief er seine Ehefrau Paris an und teilte mit: Am Montag fange ich zu trainieren an und werde wieder Weltmeister.Ben Davison bekommt Fury und sein Gewicht unter KontrolleFury wandte sich an Ben Davison, den damals erst 24 Jahre alten Trainer seines Freundes und Kollegen Billy Joe Saunders, den er bei einem Camp-Besuch in Marbella kennen und schätzen gelernt hatte.Davison und sein Team fanden offensichtlich den richtigen Zugang zu Fury, entwarfen ein auf ihn zugeschnittenes Trainingsregiment und einen kohlehydratarmen, dafür fettreichen Ernährungsplan, der sein Kampfgewicht von 180 auf 116 Kilo reduzierte.Dem heute 26 Jahre alten Davison gelang es, aus Fury die Stärken herauszukitzeln, mit denen er Wilder an den Rand der Niederlage brachte: die für seine Statur kaum fassbare Schnelligkeit und Agilität, das technische Verständnis, mit der er Wilder den Großteil der Kampfzeit ausboxte, ehe diesem die Schlussoffensive mit den zwei Niederschlägen gelang.Fury (der seine gesamte Kampfbörse spenden will) hat eindrucksvoll bewiesen, was die Sportwelt an ihm hat, wenn es ihm gelingt seine inneren Dämonen unter Kontrolle zu bekommen. Nicht nur deshalb ist dem Vater von bald fünf Kindern zu wünschen, dass er die Kontrolle weiter behält.

Tyson Fury hat nach dem spektakulären Mega-Fight gegen Deontay Wilder einen irren Auftritt auf der Pressekonferenz hingelegt.Der "Gypsyking" trat in einem rosafarbenen Anzug vor die Presse. Anstatt über den Kampf zu reden, wollte Fury jedoch lieber feiern.Mitten in der Fragerunde begann er, den amerikanischen Lied-Klassiker "American Pie" zu singen. Als ein Journalist in den Song einstimmte, stand er auf und appellierte seine Begleiter und die weiteren Journalisten zum Mitmachen. Die Show endete mit einer Tanzeinlage und dem Wegwerfen des Mikrofons durch den 30-Jährigen.Fury ruft nach JoshuaFury hatte zuvor trotz zweier Niederschläge ein Unentschieden gegen WBC-Champion Wilder geholt und bleibt damit auch nach 28 Profikämpfen ungeschlagen (Highlights, ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1)."Ich habe totale Professionalität gezeigt. Ehrt Deontay Wilder, er ist ein absoluter Top-Kämpfer. 'God bless America', der Gypsyking ist zurück", sagte der Brite nach dem Kampf.Für einen Landsmann hatte Fury dagegen härtere Worte parat. Während er im Ring interviewt wurde, teilte er gegen den abwesenden Anthony Joshua aus: "Chicken! Chicken! Joshua, wo bist du? Wo bist du, AJ? AJ", rief er Richtung Publikum.ANZEIGE:  DAZN zeigt Tyson Fury gegen Deontay Wilder jederzeit im Re-LIVE. Jetzt kostenlosen Testmonat sichern.Rematch gegen Wilder geplantDem Sieger des Kampfes hatte ein Vereinigungskampf gegen den britischen IBF- und WBO-Weltmeister gewinkt, diese Ehre wird nun offenbar Wilder zuteil. Zuvor allerdings dürfte ein Rückkampf gegen Fury anstehen: Beide Kämpfer teilten unmittelbar nach dem Kampf mit, schon bald wieder aufeinandertreffen zu wollen.Fury war nach seinem Sieg gegen Wladimir Klitschko 2015 tief gefallen und hatte sich mit Depressionen sowie Drogen- und Alkoholproblemen herumgeschlagen. Im Staples Center krönte er seinen erneuten Aufstieg in die Weltklasse mit einer herausragenden Leistung.Nach dem Kampf gegen Klitschko hatte er ebenfalls mit einer Gesangseinlage auf sich aufmerksam gemacht. Für seine Frau im Ring sang er den Aerosmith-Klassiker "I don't want to miss a thing".

Interessante Nachrichten

your_interactive_betslip

loading...