08.12.2019 - 21:00 Uhr
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Von Tillmann BauerMannheim. Steffen Fäth hatte eine rote Nase. Der Rückraumspieler wischte sich, als er im Kabinengang der SAP Arena stand, noch einmal mit dem linken Ellenbogen übers Gesicht, bevor er zu sprechen begann. „Geht schon“, sagte Fäth. Schließlich war es für ihn kein normaler Sonntagnachmittag – zweimal lag der 29-Jährige mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Hallenboden, zweimal hatte ihn ein Harzball mit ordentlich Pfeffer im Gesicht getroffen. Aber Fäth ist kein Kind von Traurigkeit. Er stand auf, erzielte insgesamt drei Tore und half mit, dass die Handballer der Rhein-Neckar Löwen aus einem verkorksten Bundesliga-Spiel gegen Frisch Auf Göppingen doch noch zwei Punkte mitnehmen konnten. Am Ende des Tages stand ein 28:21-Heimsieg, der den Spielverlauf aber nicht widerspiegelte, auf der leuchtenden Anzeigetafel. „Es war natürlich wichtig, dass wir auch spielerisch zum Ende besser als zuletzt waren“, sagte Fäth. Er ist von Natur aus eher ein stiller Typ und deshalb auch kurz angebunden, wenn es darum geht, die Fragen der Medienvertreter zu beantworten. Kurz und bündig fasste er das Geschehene dennoch brav zusammen – noch weniger Lust hatte er aber, über sich selbst zu reden. Angesprochen auf die eigene Leistung – Fäth bekam, weil Romain Lagarde noch immer verletzt fehlte, viele Spielanteile – meinte der große Halblinke nur: „Das war denke ich okay.“ Auf die Frage, woran es liege, dass die Löwen in dieser Saison bisher keine konstante Leistung über 60 Minuten abrufen können, kamen lediglich zwei genuschelte Worte als Antwort: „Keine Ahnung.“ Warum er von Bundestrainer Christian Prokop nicht für den erweiterten Kader zur Europameisterschaft im Januar berücksichtigt wurde, konnte er dafür aber erklären. „Er hat mich angerufen und mir gesagt, dass er die anderen momentan einfach vor mir sieht“, sagte Fäth. Das sei, so der Rückraum-Mann, für ihn natürlich schade: „So viel habe ich ja bisher nicht gespielt. Ich kann es nicht ändern.“ Fäth strahlt eben Ruhe aus.Es passte, schließlich sahen die gut 8000 Zuschauer ein Bundesliga-Spiel, das über 50 Minuten nur so von Hektik geprägt war. Dass die Gelben, nachdem sie am Mittwochabend unglücklich an gleicher Lokalität gegen Hannover aus dem DHB-Pokal ausgeschieden waren, etwas gut machen wollten, war in der Anfangsphase nicht wirklich zu spüren. So richtig frisch wirkte die Mannschaft von Cheftrainer Kristjan Andresson, der den Publikumsliebling Uwe Gensheimer über die gesamte Spielzeit auf der Bank schonte, lediglich in den letzten zehn Spielminuten, in denen man es schaffte, das Ergebnis doch noch in die Höhe zu schrauben. Davor knüpfte man aber an die Leistung aus vergangenen Tagen an und machte einen Fehler nach dem anderen. Beste Chancen wurden leichtfertig vergeben, Pässe unkonzentriert zum Gegenspieler geworfen und in der Abwehr – wieder einmal ohne Gedeon Guardiola, der die komplette Spieldauer auf der Bank saß – zu schlampig zugepackt. Das gesamte Auftreten wirkte, passend zu diesem gemütlichen Adventssonntag, etwas lethargisch. Das einzig Positive an einem unglaublich schwachen ersten Durchgang war, dass man von einem Rückstand, der durchaus vertretbar gewesen wäre, verschont blieb und beim Zwischenergebnis von 13:13 die Seiten wechselte. „Vorne haben wir sicherlich viel zu verbessern“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki. Er sah zwar auch ein, dass er und seine Kollegen bis Weihnachten noch einiges zu tun haben, freute sich aber dennoch über die Schlussphase, in der das klappte, was man sich eigentlich von Anfang an vorgenommen hatte. Groetzki: „Insgesamt war das vielleicht wieder ein halber Schritt nach vorne.“ Besser als nichts. Löwen: Schmid 4/3, Gensheimer 1/1, Kirkelokke 5, Tollbring 3, Mensah Larsen 3, Fäth 3, Groetzki 3, Petersson 1, Nielsen 3, Kohlbacher 2.Göppingen: Kneule 1, Bagersted 1, Peric 1, Sliskovic 3, Sörensen, Schiller 11/6, Rentschler 3, Kozina 1.Stenogramm: 1:1, 4:2, 6:7, 8:9, 10:10, 13:13 (Halbzeit), 16:14, 18:16, 19:18, 20:18, 25:19, 28:21 (Endstand). Zuschauer: 8457
  

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