14.12.2019 - 06:00 Uhr
rnz.de
Von Daniel HundLemgo. Es gab Zeiten, da wackelten den Gegnern schon die Knie, wenn der gelbe Mannschaftsbus auf den Parkplatz vor der Halle rollte. Angst und Schrecken verbreiteten die Rhein-Neckar Löwen einst. Ihre Gier, ihr Hunger auf Punkte war gigantisch. Mittlerweile sind aus gefräßigen Raubkatzen eher zahnlose Stubentiger geworden. Kraftlos, planlos, orientierungslos schliddern sie immer tiefer in die Krise. Der vorläufige Höhepunkt: das 25:30 in Lemgo. Erschreckend schwach ging der Titelaspirant beim ersatzgeschwächten Kellerkind unter. Oder wie es ein völlig konsternierter Löwen-Spielmacher Andy Schmid sagte: "Wir waren chancenlos!" Als alles vorbei war, ging es frisch geduscht in Richtung Mannschaftsbus. Es war ein schwerer Gang, vorbei an Lemgoer Partyhasen, die es im langen Kabinengang krachen ließen. Das Bier floss in Strömen. Oberkörperfrei lagen sie sich in den Armen, feierten als wären sie gerade deutscher Meister geworden. Das Wort "Sensation" fiel immer wieder, während die Löwen-Spieler ihre Trolleys ratternd hinter sich her zogen. Und es schien fast so, als wären ihnen an diesem Abend selbst diese kleinen Köfferchen zu schwer gewesen.Uwe Gensheimer, 33, blieb kurz stehen, redete über etwas, über das man als Sportler nicht gerne redet: Niederlagen. Doch das was in Lemgo kurz zuvor passiert war, war mehr als nur eine Niederlage, es hatte fast schon etwas von einer Demütigung. Und auch Gensheimer, der in seiner Karriere schon viel erlebt hat, wirkte ratlos. "Hier wirklich chancenlos zu sein, ist hart. Aber wir haben vor allem im Angriff zu viele Fehler gemacht." #TBVRNL - Die Stimmen zur Löwen-Niederlage:#1team1zielhttps://t.co/FNp7scEWrk— Rhein-Neckar Löwen (@RNLoewen) December 12, 2019Er selbst auch. Also einer, der normalerweise mit verbundenen Augen trifft, in dem viele nach wie vor den weltbesten Linksaußen sehen. Es scheint fast so, als würden sich alle gegenseitig anstecken. Keiner bringt Leistung. In Lemgo mit einer Ausnahme: Patrick Groetzki machte ein gutes Spiel. Kämpfte und glänzte. Aber ein Groetzki allein ist zu wenig. Schmid, der Nachdenkliche: "Im Teamsport ist es einfach so, dass jeder ein Puzzleteil in den Topf werfen muss, dass am Ende eine gute Leistung raus kommt. Das war diesmal nicht der Fall." Auch mit sich selbst ging der Schweizer hart ins Gericht: "Ich habe mich teilweise angestellt wie ein 22-Jähriger, der das erste Mal auf dem Feld steht."Das sind Aussagen, die ihn ehren, die allerdings auch nachdenklich stimmen. Denn normal ist es eben nicht, wenn eine Mannschaft mit so vielen Ausnahmekönnern komplett neben sich steht. Ein schwaches Spiel kann es immer mal geben. Doch diese Serie aus Pleiten, Pech und Pannen zieht sich mit ein, zwei Ausreißern – den Siegen in Magdeburg und gegen Kiel – wie ein roter Faden durch die Saison. Und immer, wenn man denkt, eigentlich geht es nicht schlimmer, setzen die Gelben noch einen oben drauf.Klar ist: Geht es so weiter, wird es über kurz oder lang auch eng für Neu-Trainer Kristjan Andresson. Eingewöhnungszeit hin oder her – so ist das Profigeschäft. Wer nicht liefert, fliegt irgendwann. Die Mannschaft steht hinter ihm. Sie schätzt ihn. Kritischere Fragen zur Taktik des Isländers werden abgeschmettert. Fragt sich nur wie lange noch. Die Lage ist prekär. Bis Weihnachten stehen noch drei Spiele an: Gegen Nordhorn, gegen Flensburg und beim Bergischen HC. Den BHC und Flensburg muss man erst einmal schlagen. Gelingt das nicht, droht nach dem Pokal-Aus gegen Hannover endgültig eine Saison zum Vergessen.
  

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